Profitieren nur Millionäre? Blick, 28.01.2004, von Silvio Bertolami

Profitieren nur Millionäre?
Blick, 28.01.2004, von Silvio BertolamiZÜRICH. Eine Einheitssteuer für die ganze Schweiz – ist das
realistisch? Markus Schneider (43, Bild) hat ein Buch* zum Thema
geschrieben. Er nimmt zu fünf Einwänden Stellung.Mit der Einheitssteuer wird der Steuerwettbewerb zwischen den
Kantonen und Gemeinden ausser Kraft gesetzt.«Klar, aber dafür hört die Züglerei in die Steueroasen auf. Und falls die
Schweiz den Steuerwettbewerb unbedingt behalten will, muss sie halt
drei Einheitssteuersätze einführen: einen für den Bund, einen für den
jeweiligen Kanton, einen für die Gemeinde. Die Summe kann dann jedes
Kind zusammenzählen.»

Kommt der einheitliche Steuersatz, bezahlen die Top-Verdiener und
Millionäre viel weniger Steuern als heute.

«Im Gegenteil, die Reichen können sich nicht mehr via
Kaderpensionskasse oder Luxusrenovationen davonschleichen. Die
entsprechenden Abzüge gibt es nicht mehr. Selbstverständlich ist ihnen
ein tieferer Steuersatz zu gönnen – aber diesen tieferen Tarif werden sie
dann zahlen müssen, ohne jeden Abzug.»

Im National- und Ständerat geben nun die bürgerlichen Hardliner den
Ton an. Sie werden die Steuerreform benützen, um die Steuersätze zu
senken, ohne die vielen Abzüge, Ausnahmen und Befreiungen
abzuschaffen.

«Die Steuersätze müssen runter, das finde ich auch, und zwar massiv.
Aber diese Rechnung geht nur auf, wenn es keine Abzüge mehr gibt. Der
neue Finanzminister Hans-Rudolf Merz wird das seinen Leuten
hoffentlich noch klar machen.»

Die unteren Einkommensschichten sind die Geprellten, sie werden mehr
bezahlen müssen.

«Nein, sie werden sogar entlastet. Man muss die vielen individuellen
Abzüge von heute einfach ersetzen durch einen einzigen pauschalen
Abzug, der hoch genug ist. BLICK hat gestern schön vorgerechnet:
Familien mit zwei Kindern würden bis 60 000 Fr. Einkommen vollständig
befreit, während sie heute im Kanton Bern mehr als 5000 Fr. Steuern
zahlen.»

Es wird weniger Geld in die Steuerkassen fliessen, mit der Folge, dass
noch mehr gespart werden muss – bei der AHV, den Landwirten,
Schulen, dem Verkehr und anderswo.

«Nach meinen Berechnungen genügt ein Einheitssteuer-Satz von 18
Prozent, damit der Staat auf seine heutigen Einnahmen käme. Es bliebe
sogar genügend Geld übrig, um jedem Kind und jedem Erwerbstätigen
5000 Franken Bonus auszuzahlen, bar auf die Hand.»

* Markus Schneider: «Weissbuch 2004 – Rezepte für den Sozialstaat
Schweiz», 135 Seiten. 39 Franken. Im Buchhandel.

Steuer-Debatte

Ärgernis Steuererklärung. Politiker und Experten fordern die
Einfachsteuer: ein einziger Steuersatz für die ganze Schweiz und fast
keine Abzüge mehr. BLICK zeigte in den letzten Tagen, wie man es
machen könnte.

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